Geleitwort

Ein Glück, dass wir verschieden sind

Wir kommen aus einer Familie und sind doch so unterschiedlich. Wer kennt das nicht aus eigener Erfahrung? Eltern erleben täglich, wie verschieden ihre Kinder reagieren, welche unterschiedlichen Interessen sie haben und welche Charaktereigenschaften sie entwickeln. Trotz gleicher Bedingungen ähneln sich die Kinder zwar oft im Aussehen, aber selten in ihrem Wesen. Das kann zu Konflikten führen, wenn die Meinungen und Reaktionen weit auseinander liegen. Und manchmal hängt der Haussegen schief und es braucht Geduld und Zeit, damit sich alle wieder vertragen.
Wäre es besser, wenn wir alle die gleichen Meinungen, Anschauungen und Charaktereigenschaften besäßen? Mit Sicherheit nicht. Wahrscheinlich würden wir uns zu Tode langweilen. In der Unterschiedlichkeit liegt die ungeheure Chance, dass wir uns auseinandersetzen und entwickeln. Wichtig bleibt, dass wir uns wertschätzen und eine Atmosphäre schaffen, in der viele Meinungen Platz haben. Das muss man lernen und manchmal auch einfach aushalten. Feindschaft und Ausgrenzung sind der falsche Weg, weil Vertrauen verloren geht. Und das braucht jeder Mensch. Jemanden zu haben, der einfach zuhört, in den Arm nimmt und tröstet, ist Glück. Dann wird das Leben leichter und zuweilen auch fröhlicher. Wir brauchen unsere Unterschiedlichkeit, damit wir uns reiben und auseinandersetzen können und daran wachsen.
In unserer Hausgemeinschaft leben sehr unterschiedliche Menschen unter einem Dach. Alt und Jung, Familien und Alleinlebende. Das ist schön, solange wir uns verstehen, ergänzen und gegenseitig unterstützen. Das ist manchmal schwierig und verletzend, wenn uns manche Verhaltensweisen und Reaktionen auf den Keks gehen. Dann müssen wir miteinander reden, respektvoll und ruhig. Das gelingt nicht immer sofort. Im Rückblick erkennt man meist, dass die Chancen eines gelingenden Zusammenlebens unvergleichlich größer sind als manche Träne, weil man sich nicht verstanden fühlte.

Das gilt für das Zusammenleben überall. Ob auf Arbeit, in der Freizeit, hier in dieser Stadt und in diesem Land und auf der ganzen Welt. Das gilt für Zugezogene aus fernen Ländern und anderen Kulturkreisen ebenso wie für Einheimische und Nachbarschaften, für die Studierenden an unserer Universität.
Durch Respekt und Wertschätzung im Umgang untereinander werden Vorurteile abgebaut und Brücken für Verständigung geschlagen.

Das gilt auch für das IRIS-Familienzentrum mit seinen vielen Angeboten im neuen Jahr 2019.
Das neue Programm liegt vor und bietet eine Menge Anregungen zum Mitmachen, sich auszutauschen und neue Erfahrungen zu machen.

Vielfalt ist manchmal anstrengend, ja – aber Vielfalt ist auch eine Chance für geglücktes und gelingendes Leben.

Norbert Bischoff
(Minister a.D.)
Schirmherr des IRIS e. V. für Frauen und Familie